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Der süße Weg zum Hobby-Imker

21.Mai 2019 // Leseprobe aus Ausgabe 15

Der süße Weg zum Hobby-Imker

Da fließt er endlich, der goldene Honig! Und Olly steht einfach nur neben seiner Schleuder und grinst wie ein Honigkuchenpferd. Denn: Das, was da gerade im Fluss ist, ist sein erster Honig überhaupt. Von den eigenen Bienen im eigenen Garten! Da kann man schon mal glücklich sein. Vor allem, wenn man weiß, wie viel Arbeit in so einem Gläschen steckt – tierische, nicht menschliche: „Pro Glas haben die Bienen rund 40 000 Kilometer zurückgelegt“, rechnet der Hobbyimker vor. Da darf beim Löffelablecken auch mal Ehrfurcht aufkommen …

Honigbienen sind nicht aggressiv

Olly Fehrenbachs eigener Arbeitseinsatz als Imkerneuling fällt indes vergleichsweise bescheiden aus. Den Bienkasten mit Rähmchen (zusammen mit Imkerhut, Handschuhe, Smoker, Bienenbesen und Stockmeißel sind das rund 300 Euro) aufbauen. Sich im Internet und in Büchern einlesen. Das Volk beim Veterinäramt anmelden (Pflicht!). In den kalten Monaten einmal die Woche nachsehen, ob bei der Königin alles in Ordnung ist und die Bienen genug zu futtern haben. Und dann, im Frühsommer, die erste Ernte des Jahres! Ein Glück hat Töchterchen Mieke gerade Schulferien und hilft dem Papa. Furchtlos zieht die Zehnjährige im Garten der Offenburger Familie ein volles Wabenrähmchen aus der Bienenbox. Ganz schön schwer das Ding!

Bis zu zwei Kilo Honig befinden sich in den mit einer Wachsschicht geschützten Waben. 30 solcher Rähmchen passen in einen Bienenkasten, zehn davon werden für die Honigernte entnommen. Den Schutzschild gilt es noch abzukratzen, ehe die Rahmen in der ausgeliehenen Schleuder befestigt werden können.

Die zuvor durch Rauch abgelenkten Insekten lassen Mieke gewähren. „Mich hat noch keine Biene gestochen!“, erzählt das Mädchen stolz. Das kann der Papa nicht von sich behaupten. Einmal an der Wange, einmal am Finger hat es ihn schon erwischt. Olly zuckt die Achseln. „Wenn man aufpasst und das Ganze mit Ruhe angeht, kann eigentlich nicht viel passieren“, meint er. Bienen sind geruchsempfindlich. Parfüm oder Alkoholfahnen können sie aggressiv machen. Auch dunkle Kleidung mögen die nützlichen Tierchen nicht so gern. Schwarz und braun lassen sie gleich an einen räuberischen Bären denken, der den süßen Honig mindestens so gern hat wie Mieke und Olly …

Ein Beitrag für die Umwelt

Abschalten und abtauchen in eine Welt, die so ganz anders ist als unser hektischer Alltag – Imkern ist so was wie Yoga mit Belohnung. Jedenfalls unterhalten derzeit immer mehr Privatpersonen wie Olly ein Bienenvölkchen im eigenen Garten. 120 000 Imker zählt der Deutsche Imkerbund. Tendenz steigend. Das ist gut für unsere Umwelt. Schließlich ist das große Insektensterben derzeit Thema. Und wenn man sich vor Augen führt, dass rund 80 Prozent aller Pflanzen von Insekten wie den Bienen bestäubt werden, wird klar, wie wichtig deren Rolle in unserem Ökosystem ist. Wenngleich der Bestand der Wildbienen durch Pestizide und eingeschleppte Krankheiten im Moment dennoch dramatisch weiter sinkt und viele Arten vom Aussterben bedroht sind. Mit Honigbienen allein lässt sich dieser Trend nicht aufhalten. Der Dealer wird zum Paten Naturschutz ist für Olly ein wichtiges Anliegen. Aber nicht nur. Honig war auch schon immer seins. Bislang hat er ihn von einer Arbeitskollegin bekommen, jetzt wurde aus der Dealerin seine Bienenpatin. „Erfahrene Imker unterstützen Einsteiger – das ist so üblich“, erzählt uns der Offenburger. Von der Patin hat er auch den Ableger fürs erste Volk bekommen. Wer sich mit der Imkerei beschäftigt, taucht bald schon tief ab in eine faszinierende, so ganz andere Welt. Allein der Werdegang der geflügelten Herrscherin hat den Neuimker von Beginn an gefesselt. Als Larve gefüttert mit Gelée royale, einem in den Bienenkopfdrüsen erzeugten, speziellen Futtersaft, wird sie von ihren Ammenbienen großgezogen. Als junges, flottes Bienlein fliegt sie dann nur für kurze Zeit aus dem Stock hinaus und lässt sich auf ihrem Hochzeitsflug begatten. Der aufgenommene Samen reicht für den Rest ihres Lebens – und für gut und gerne zwei Millionen Nachkommen. So entsteht ein neues Volk. Bis zu 2000 Eier legt die Monarchin pro Tag. Bei diesem Pensum würde einer Henne ganz schön die Kehrseite schmerzen …

Ganz wichtig, bevor man dann selbst mit dem eigenen Bienenvölkchen loslegt: mit den Nachbarn reden. „Wenn die Nachbarin eine Bienenallergie hat, ist das natürlich blöd“, sagt Olly. Wenn nicht, sollte trotzdem aufgeklärt werden. Dass Honigbienen sich nicht wie Wespen an den Zwetschgenkuchen machen, zum Beispiel. Oder dass ein Volk in nächster Umgebung ein Segen für die umliegenden Gärten ist. „Bei unserem Nachbarn hängen dieses Jahr schon mehr Mirabellen am Baum als je zuvor“, sagt Olly. Im Umkreis von drei Kilometern machen sich die Tierchen an den Blüten zu schaffen – und damit stammt ein Teil von Ollys Honig ganz sicher auch von den Bäumen und Blümchen rund um unsere #heimat- Redaktion. Die ist nur 500 Meter weg …

Lachs mit Senfhonig

Und was machen wir jetzt mit dem ganzen Honig, der da mit Hilfe der Fliehkraft aus der mechanischen Schleuder in den Eimer läuft? Da fällt Olly Fehrenbach, von Beruf eigentlich Lichttechniker, gleich was ein. Schließlich ist er Genussmensch. Im Garten hat er sich eine Outdoor-Küche und unlängst auch eine finnische Grillhütte gebaut – mit integrierter Feuerstelle. Da lässt sich der frische Lachs selbst in den Wintermonaten in gemütlicher Runde im Warmen grillen.

Und auch an diesem schönen Spätfrühlingstag wird der Grill schon mal angeheizt. Schließlich brauchen Mieke und Olly auch noch eine Beilage zu ihrem Senf-Honig-Dip, den sie gleich aus der ersten Ernte zubereiten. Senf, einen ordentlich Klacks Honig und Dill – das war’s. Den Lachs ins Brötchen, Salatblatt und Senf dazu und reinbeißen. Was für ein herrlich süßer Lohn ...

 

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