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Henn Ihr ä Herz für Hähne?

4.1 2020 // Leseprobe aus Ausgabe 23

Henn Ihr ä Herz für Hähne?

Sandys Brüder dürfen leben! Sandy, das ist eine Legehuhnrasse, die zurzeit in den Ställen des Geflügelhofs Zapf in Gengenbach munter pickt, scharrt und Eier legt. All diese Hühner haben lebende Gockel-Brüder. Die leben zwar nicht hier, aber werden in einem anderen Mastbetrieb in Baden-Württemberg aufgezogen und gemästet. Es ergeht ihnen anders als 42 Millionen männlicher Küken, die immer noch in Deutschland pro Jahr direkt nach ihrer Geburt getötet werden – vergast oder bei lebendigem Leib geschreddert.   

„Das ist für uns ein Zustand, der nicht hinnehmbar ist“, sagt Martin Zapf, Chef der Geflügelhöfe Zapf aus Gengenbach und Mitbegründer der Huhn und Hahn Initiative Baden-Württemberg. Seit 2017 tüfteln er und andere Landwirte (mittlerweile sind es mehr als 40) an einem Konzept, wie man den Bruderhähnen das Leben retten kann. Das Problem: Die Legehuhnrassen sind so gezüchtet, dass sie viele Eier legen, aber ihre Brüder wenig Fleisch ansetzen. Dazu kommt: Bis die Hähnchen überhaupt etwas auf den Rippen haben und schlachtreif sind, dauert es dreimal so lang. Zieht man einen Bruderhahn auf, ist das auf den ersten Blick unwirtschaftlich. „Tut man es nicht, ist es aber unethisch“, sagt Martin Zapf. „Das hat uns sehr umgetrieben.“

Der Kunde muss mitmachen

In der Gemeinschaft ist man stark: In den letzten Jahren wurden Betriebe gefunden, die die Brüder mästen – klar, mit mehr Geduld und Aufwand. Die Aufzucht der Brüder muss über den Eierpreis querfinanziert werden. Denn sogar wenn der Hahn schlachtreif ist, hat er bei Weitem nicht so viel Fleisch wie ein hochgezüchteter Masthahn. Die größte Schwierigkeit war es, die Kunden zu überzeugen – gemeint sind damit nicht nur die Endverbraucher, sondern vor allem die großen Supermärkte.

Doch auch das ist den Machern der Huhn und Hahn Initiative geglückt: Mittlerweile stehen die Eier der Huhn und Hahn Initiative unter anderem in den Regalen von Edeka und Rewe und das Hähnchenfleisch wird zum Beispiel in den Geflügelmaultaschen von Burger verarbeitet (achtet auf das Huhn und Hahn Logo!). „Wir haben da noch viel zu tun. Gerade für die Fleischprodukte wie Wurst oder Maultaschen erhoffen wir uns noch mehr Unterstützung der großen Häuser. Da haben wir noch einiges an Überzeugungsarbeit vor uns“, sagt Zapf.

Ohne Mut geht es nicht

Der erste Schritt, seine Herden auf Huhn und Hahn umzustellen, war nicht ohne: „Das war für alle Betriebe finanziell riskant“, erinnert sich Zapf. Er hat mittlerweile all seine Freiland- und Biohühner umgestellt, bis Frühjahr 2021 folgt die Bodenhaltung. „Wir haben einfach dran geglaubt, dass die Abnehmer kommen, sobald wir die Eier haben. Ein Glück hat das geklappt, sonst hätte es für uns düster ausgesehen.“ Auf demWochenmarkt kann Zapf die Reaktion der Endverbraucher direkt sehen: „Ein einziger Kunde ist mal kopfschüttelnd weggegangen, weil die Eier teurer waren. Nach 20 Minuten ist er zurückgekommen. Er hatte über die Initiative nachgedacht und entschieden, dass ihm das ein bisschen mehr Geld wert ist.“

 

 

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