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Kunst mit G'schmäckle

19.Februar 2019

Kunst mit G'schmäckle

Unser Food Hunter Uwe Baumann sollte für uns etwas besonderes aus dem Räucherofen finden – und kommt mit einem Gemälde von Wolfram Paul zurück

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Das gilt erst recht für die Kunst. Der Altensteiger Künstler Wolfram Paul hebt diese Redewendung allerdings in ganz neue Sphären. Warum? Weil man sich seine Bilder mit Schwarzwälder Köstlichkeiten eben nicht nur ansehen kann. Man hat sogar ihren Geschmack in der Nase …

Mein neuster Auftrag aus der #heimat-Redaktion sollte mich als Schwarzwälder Genussjäger eigentlich nicht vor allzu große Probleme stellen. „Such’ uns mal was Besonderes aus der Räucherkammer“, hieß es. Die gibt es zwischen Waldshut und Pforzheim bekanntlich zuhauf. Aber tatsächlich hängen in 999 von 1000 Fällen halt doch nur Speck, Würste und Forellen drin. Nicht falsch verstehen: alles fantastische Leckereien! Aber das ganz Besondere fehlt dann halt doch …

Speck, Rauch und vulkanige Tiefe …
Da muss ich dann wohl ein bisschen nachhelfen. Zum Glück kenne ich Wolfram Paul, den ich ohnehin schon mal ermuntert hatte, sich dem Thema Speck zu widmen (dem ich als Autor des Buches „Speck:takel“ ja besonders nahestehe). Das tat er dann auch. Wolfram lud mich ein, um mir das Ergebnis vorzustellen. Vor meinen Augen erschien ein begeisterndes Werk mit verschiedensten Variationen von Speck, gehalten in dunklen, erdigen Farben und einer urigen Oberfläche mit vulkaniger Tiefe. Und das Beste: Es sah nicht nur lecker aus, es roch auch nach Speck und Rauch!

Woher der Geruch kam? Wolfram hatte seinen Schwager gebeten, ihm Ruß aus seiner Speckräucherkammer abzukratzen. Diesen vermischte er mit den klassischen Speckgewürzen Pfeffer, Wacholder und Lorbeer und mörserte das Gemenge. Dann fügte er ein Bindemittel bei. Die so entstandene schwarz-braune Flüssigkeit wurde von ihm als Malgrund auf die Leinwand aufgetragen. Anschließend entstand das weitere Gemälde mit Hilfe von Acyrl-Farben. Inzwischen hängt das köstliche Bild übrigens in meiner Küche. Einen passenderen Platz für solch ein duftendes Prachtwerk gibt es bei mir zu Hause nicht.

In Sachen Kunst ist Wolfram Allrounder. Ein Um-die-Ecke-Denker, wie es im Schwarzwald nur wenige gibt. Er ist Kunstlehrer, Maler und Grafiker. Mit seiner über vierzigjährigen Erfahrung ist er Mitglied im Künstlerteam des Kosmos Schwarzwald und offizieller Museums- und Freilichtmaler im Gutacher Freilichtmuseum Vogtsbauernhof. Sein Credo: Wolfram liebt es, aus Alltäglichem etwas Besonderes werden zu lassen – und würdigt damit auch die Schwarzwälder Kultur. Auch noch wichtig zu wissen: Seine Frau Heide backt eine der besten Kirschtorten im ganzen Schwarzwald! Dieses Kunstwerk wäre für sich allein schon eine Reise in den Nördlichen Schwarzwald wert …

Kein Wunder, dass ich mich unbedingt noch mal mit Wolfram treffen musste. Der hatte seine geschmackvolle Kunst indes schon wieder auf die nächste Stufe gehoben. Inzwischen hatte er neue Motive auf die Leinwand gebracht: einen stilechten Schwartenmagen, eine Stillleben von Blut- und Leberwurst, eine Kirschtorte und eine ganz „banale“ Brezel. Ganz stolz präsentierte er dann aber auch noch die Postkarte seines Speckbilds. Der wohlige Geruch kam mir vertraut vor. Wolfram hatte das gedruckte Speckmotiv bei dem Simmersfelder Metzger Simon Kern zusammen mit Würsten und Speck in die Räucherkammer gehängt. So entstand ein weiteres Werk – eine Seh- und Schnüffelkarte für Speck-Junkies. Diese hat mittlerweile hundertfach ihre Reise in die große weite Welt angetreten. Selbst in die USA hat es das Schwarzwald-Aroma geschafft.

Wie gesagt: Über Kunst lässt sich bekanntlich streiten. Brauchen wir also wirklich ein duftendendes Schinkengemälde oder ist die Scheibe eines echten guten Bauernspecks im Kühlschrank nicht schon Kunst genug? Um mit Picasso zu antworten: Kunst ist immer eine Lüge, die uns die Wahrheit erkennen lässt. Ich jedenfalls will auf beides nicht mehr verzichten …

Die Postkarten von Wolfram Paul …
... sind über Kosmos Schwarzwald zu beziehen – oder natürlich im Heimatshop unter www.heimatbude.com

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