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Schwarzwald zum Niederknien!

5.1 2020 // Leseprobe aus Ausgabe 19

Schwarzwald zum Niederknien!

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PROVOKANT, SEXY UND MIT VIEL WITZ. BERNHARD HAUNS HAT DIE MALEREI IM BLUT UND STELLT DEN SCHWARZWALD AUF SEINE ART DAR. WIR HABEN IHN IM ATELIER BESUCHT – DIREKT ZUM START EINER NEUEN SCHAFFENSPHASE

Wo findet man die echten Maler und Bildhauer? Auf Partys? Auf Ausstellungen? Auf Messen oder bei Vernissagen? Nein, die Könner und Schaffer findest du dort, wo sie ihre Mission ausleben können: In der Werkstatt. Auch der Kunstmaler Bernhard Hauns (57) geht am liebsten in sein Atelier in einem Häuschen gegenüber seines Wohnhauses in Iffezheim. Sogar wenn der Nordwind sibirisch bläst und die Farbe gefriert, malt er dort. Gegen die Kälte wappnet er sich mit Styroporplatten an den Wänden, mit einem Heizstrahler und – so blöd es auch klingt – mit der Flamme der Leidenschaft. Bernhard ist ein Vollblutmaler. Damit er möglichst viel vom Tag hat, steht er frühmorgens auf, beginnt um fünf Uhr seinen Job in der Deko-Abteilung des Europa-Parks und hat den Nachmittag frei für seine eigene Malerei. Genau so will es Bernhard haben – und daher ist er auch ein glücklicher Mann.

Bernhard sieht man an, dass er tough ist: breites Kreuz, Muskeln, kräftige Finger. Kleidung: Kapuzenpulli, schwarze Schaffhose, robuste Schuhe. Beim Blick ins Atelier wird klar, dass dieser Mann von der Malerei besessen ist. Pinsel stehen im Wasser, Dosen mit Farbpigmenten sind feinsäuberlich gestapelt und gereiht, an der Wand hängt alles für Airbrush. „Was man halt so braucht“, sagt Bernhard über sein Malzeugs. Überall stehen, lehnen und hängen Originale von Bernhard. An der Wand hängt ein Vermeer, natürlich kein echter, sondern auch von Bernhard. Er liebt die alten Meister. Im kleinen Nebenraum sind weitere Bilder. Eine afrikanische Maske ist zu sehen, ein Segelschiff im Sturm und ein Schwarzwaldmotiv. Auf einer Ablage liegt ein vergoldeter Tierschädel mit Einhorn. „Ein Schweinhorn“, sagt er. Und wir merken: Humor hat er auch, sehr viel sogar.

DAS ATELIER ALS HEIMAT
Wenn er mal hier ist, kriegt man ihn nicht so schnell heraus. „Das ist sein Zuhause“, sagt Bernhards Frau Tove, die aus Dänemark stammt. Das einzige, was ihn aus dem Atelier lockt, ist der Hunger und zum Essen ein gutes Glas Merlot aus Frankreich.
Im Atelier läuft keine Musik. Still muss es sein, so fühlt er sich am wohlsten. Im Gegensatz dazu sind seine Bilder laut. Die Farben sind grell, die Motive eindeutig. Hier gibt’s was auf die Zwölf: Das gesattelte Schwarzwaldmädel oder die Schwarzwaldmarie mit Kirsch-Knebel im Mund sind nicht für jedermanns Wohnzimmer. Bernhard polarisiert. Seine Kunst bewegt die Menschen. Wenn er seine Motive auf Instagram oder Facebook postet, gehen die Kommentare durch die Decke. In der Schule musste Bernhard für die Klassenkameraden zeichnen, damit sie auch gute Noten im Kunstunterricht bekommen. In der neunten Klasse hatte er Ärger mit seiner Lehrerin, die ihm moderne Kunst nahebringen wollte. Nein, das war nichts für ihn. Heute noch schwärmt er von den alten Meistern und ruft begeistert ihre Namen. Michelangelo! Tizian! Dürer! Alte Meister, könnt ihr ihn hören? Ja und sie führen seinen Pinsel. Aber das ist nicht alles, was ihn antreibt. Als er später Airbrush entdeckte, kam er mit Pop-Art zusammen. Auch hier wird’s konkret. Und das in knalligen Farben und mit viel Witz, um dem Schwarzwald ein paar neue Seiten abzugewinnen.

MEHR WITZ!
MEHR PROVOKATION!
Zur Malerei kam er über einen Umweg. Er lernte Schreiner und hatte im Job fast täglich mit Restauratoren zu tun, die in Kirchen und Schlössern alten Bildern neuen Glanz gaben. Denen schaute er über die Schulter und lernte, wie’s geht. Später hat er gelernt, wie man neue Bilder auf alt macht, aber das nur nebenbei. Als er mal einen Volkshochschulkurs besuchte, wurde er wieder heimgeschickt, weil: er kann ja alles. Trotzdem ist er neugierig geblieben. Als die Artwood-Bilder auftauchten, bekam er auch Lust auf Schwarzwald. Aber anders natürlich. Mit mehr Witz. Mehr Provokation. Aber, was hat er mit den schwarzen Wäldern am Bollenhut? Wenn man in Iffezheim wohnt, ist man nicht unbedingt Schwarzwälder – aber man lebt am Fuße des Schwarzwalds und hat ihn immer im Blick. Aber Bernhard kennt den Schwarzwald wirklich gut. Die alten Sagen sind dem Naturburschen nicht unbekannt, die Vogtsbauernhöfe bezeichnet er als „zweites Zuhause“.

GOLD ALS MALMITTEL
Lange Jahre war er dem Schwarzwald sehr nah, als er noch in Kappelwindeck wohnte. Als Ritter Bernhard von Windeck führte er das Schwert in einer Ritterzunft, hatte Reben, ging und geht immer noch regelmäßig in die Pilze oder zum Wildsee. Heute noch sucht er im Wald nach urigen Wurzeln und anderen Motiven. „Eigentlich müsste ich noch fotografieren“, stellt er beim Erzählen fest. Viel mehr Schwarzwald geht wirklich nicht. Aber ob er das alles schafft? „Eigentlich brauche ich zehn Leben, um alles machen zu können, was ich machen will“, sagt er und zeigt eine Skizze für eine originelle Skulptur. Bald will er wieder als Bildhauer arbeiten, die Kettensäge liegt schon bereit und dann fliegen wieder die Späne durch den Hof. Aktuell sitzt er gerade an „Black Forest Deluxe“, dem Porträt einer Schwarzwälderin. Der Bollenhut ist golden und der etwas ernsten Schwarzwaldmarie rinnt der goldene Schweiß über die Wangen. So kraftvoll, klar und direkt Bernhards Malerei auch ist, er geht behutsam an die Sache. Das hauchdünne Blattgold wird mit dem Pinsel fein vom Blatt getupft, der Pinsel mit der Farbe schwungvoll, aber doch dezent geführt oder getupft. So gewinnt das Bild mehr Tiefe. Mit Hingabe macht er das. Bernhard ist ein Maler, der nicht nur an seiner Heimat hängt, sondern auch an seinen Bildern. Wenn ihm ein Bild gefällt, will er es gar nicht verkaufen. Manchmal macht er es doch und die Freude ist groß.

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