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Aus Liebe zum Backen

23.November 2018 // Leseprobe aus Ausgabe 13

Aus Liebe zum Backen

Plätzchen kann jeder: Für uns hat Konditormeisterin Marina Wiehl mal fünf alternative Winter­rezepte entwickelt. Wir haben sie in ihrer Backstube besucht – und uns die Finger geschleckt …

Konzentriert sticht Marina Wiehl Schokokreise aus und drapiert sie auf sechs kleinen Schoko-Kuppeln, bevor sie alles leicht mit Kakaopulver bestäubt. „Achtung, hierbei darf ich jetzt nicht lachen“, sagt sie noch schnell vorher – „sonst puste ich das Pulver weg!“ Gelacht hat die 31-Jährige nämlich seit wir hier sind schon ziemlich viel. Es mag abgedroschen klingen – aber dass Backen ihre Leidenschaft ist, ist tatsächlich nicht zu übersehen. Dafür, dass sie nun in ihrer eigenen Backstube in Schallstadt-Mengen steht und sich seit einem Jahr vor Aufträgen kaum retten kann, hat sie auch viel Energie aufgebracht.

Die Ausbildung zur Konditorin begann Marina mit 25 Jahren, nachdem sie in Wien ein BWL-Studium beendet hatte. Drei Betriebe durchlief sie während der dreijährigen Ausbildung. „Das mag unstet aussehen“, sagt sie. „Aber mit Mitte 20 hatte ich einfach keine Lust mehr, mich in der Küche ständig anschreien zu lassen. Leider ist der gängige Umgangston in vielen Betrieben immer noch unmöglich. Das finde ich sehr traurig.“ Davon beirren ließ sich die gebürtige Badenerin aber nicht. Für sie war klar: Sie will die Ausbildung durchziehen und sich danach selbstständig machen. Also folgte auf die Lehre der Meister und vor zwei Jahren die Gründung des eigenen Betriebs mit dem verlockenden Titel „Süße Gaumenfreuden“. Anfänglich lag der Schwerpunkt auf kleiner Patisserie – von der französischen Küche inspirierte Törtchen und kleines Gebäck, mit dem sie im eigenen Anhänger auf Märkten in Freiburg und Umgebung unterwegs war. „Dann schlug man mir vor, auf eine Hochzeitsmesse zu gehen“, erzählt Marina und lacht wieder. Seitdem muss sie die Törtchen-Produktion zurückfahren und backt am laufenden Band Hochzeitstorten. Im Sommer können es schon mal fünf bis sechs pro Woche sein. Außerdem beliefert sie einen Hofladen in Sankt Märgen mit Gebäck und plant derzeit einen Onlineshop. Seit Kurzem hat Marina eine Angestellte, allein sind die Aufträge nicht mehr zu schaffen. Ihrem Prinzip bleibt sie dabei treu: „Ich tue nichts, was ich nicht will“, sagt sie und man glaubt es ihr sofort. „Neulich habe ich glutenfreie Torten in mein Angebot aufgenommen. Das hat mich schon Überwindung gekostet. Ich mache nicht jeden Trend mit. Es muss am Ende doch auch noch schmecken.“ Zur Inspiration für ihre Rezepte schaut Marina viel nach Frankreich und auch in den Rest der Welt. „Am Ende entsteht das Beste durch Freestyle und Ausprobieren“, sagt sie. So zum Beispiel die lilafarbenen Heidelbeertörtchen mit Fruchtkern, die im Kühlschrank auf den nächsten Arbeitsschritt warten. Die Schoko-Honig-Kuppeln sind inzwischen fertig bestäubt. Mit einer Pinzette zieht Marina kleine Stücke Blattgold aus der Folie und legt sie vorsichtig darauf – ein kleines Kunstwerk! Aber ein so unglaublich leckeres, dass es leider nicht lange Bestand haben wird …

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