Mundart: die badische Kehrwoche

Kehrwoche, Gartenarbeit und der Opa als Antreiber: Im alemannischen Schwarzwald war der Samstagnachmittag lange ein echter Arbeitstag. In unserer Mundartreihe „Wie mir schwätze“ geht es diesmal um Dialekt, Dorfleben und die badische Kunst, viel zu schaffen – oder sich geschickt davor zu drücken.

Text: Pascal Cames Fotos: Matthias Bühner

Frog, wenn dä witt, eine so genannte Kehrwoche kennt kein badische Schwarzwälder nicht. Wenn er mit einem geschwäbelten „D‘Schdaffla saubr kehra“ (Treppen sauber fegen) angesprochen wird, sagt er bestimmt: „Du Schwab, ich nix verstehen.“

Aber dass ein echter Alemanne etwas von Sauberkeit und Ordnung hält, ist natürlich Ehrensache. Der Samstagnachmittag wurde dafür vor langer, langer Zeit als Zeitfenster in den ewigen Bauernkalender gemeißelt. Frog nid, schaff ebbs, jetz’ hesch Zitt!

Zu tun gibt’s so einiges: Stros fäge, im Gaarde schaffe un’ Hecke schniede, Stapfel kehre, der Karre wesche (Auto waschen), Schuh butze und auch Kuchi abwischen und ja – auch Maidle und Birschdel müssen ran – Kinderzimmer aufräumen („ruum mol uff, was fahrt da alles rumm“) aber auch Holz hacke un’ Holz uffsetze waren schwer angesagt. Alles, was man unter der Woche nicht machen konnte oder wollte, wurde am Samstag erledigt, denn der Samschdig (Samschdi, Samstig) war uff’m Dorf noch ein Werdi(g), also Werktag.

Oft gab es im Haus oder auf dem Hof eine Person, die dafür der Antreiber war. Manchmal war’s der Opa, der alte Bruddler, der es nicht sehen konnte, wenn jemand ohne etwas in der Hand (Hommer, Schufel, Bääse, etc.) über den Hof dappte. „Do hätt mer glich ä Ärbet kriegt.“ Meistens war es das, was der Opa eh nid gern g’macht hett.

Wenn dann mal ein Nachbar vorbeigekommen ist, sagte der vielleicht „Bisch fescht dro!“ Manche sind aber nur zum gucke oder für ä Schwätzle auf die andere Seites des Hag (Zauns) gekommen. Da hat der Opa vielleicht „du Fuhlbelz“ oder „der Dolle“ gedacht und der wunderfitzige Nochber hett „so ä Rumknedler“ denkt, also einer, der immer was machen muss.

Aber nicht bei alle waren so schaffig. Da gab es selle, wo zugezoge sin (eventuell der Franzos), dann die wo uff der Sportblatz gonge sind, dann die Bastler und Spengler, wo in der Garage verschwunden sind. Dort wartete angeblich „ä hüffe Ärbet“, aber tatsächlich zum Sport im Radio Flaschenbier getrunken wurde. Jo, einige sin am Somschdi sogar in der Wald zum wondre oder gleich in die Wirtschaft. 

Ganz Schlaue haben vielleicht zum Opa gesagt: „Des hett kei Wärt, da longt jetzt die Zitt nimmer.“ Schon war man aus dem Schneider. Das war die badische Lösung gegen allzuviel Schafferei. Ich will ja, aber du siehst, es geht gerade nicht. Ehrlich mein Lieber, vielliecht nächschde Woch! Jo du, ich hilf dir!

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