Longevity im Nouri Hotel Bad in Bad Krozingen

Wellness bei minus 110 Grad: Klingt verrückt, liegt aber im Trend – und soll helfen, länger zu leben. Wir haben die Kältekammer im Nouri Hotel in Bad Krozingen getestet – und es uns auch sonst gut gehen lassen ...

Text: Uwe Baumann · Fotos: Jigal Fichtner

Longevity im Schwarzwald: Das Nouri Hotel

Salsa aus dem Lautsprecher, Eiskristalle auf der Haut. Die schneidende Kälte von minus 110 Grad hält mich konstant in Bewegung – jenseits der Glasscheibe macht mir Therapeutin Maria Fitnessübungen vor, aber ich könnte ohnehin nicht stillstehen. Ich würde wohl sofort festfrieren. Noch eine Minute wird mir von außerhalb der Kältekammer angesagt – die fühlt sich an einem der wohl kältesten Punkte des Schwarzwaldes an wie eine Ewigkeit. Wie bin ich hier gelandet?

In einem Wort: Longevity! Langlebigkeit heißt der Trend, der aktuell die Wellness- und Gesundheitsbranche umtreibt. In der Ferienregion Schwarzwald gibt es inzwischen immer mehr Angebote, die das Streben nach hohem Alter bei guter Gesundheit unterstützen sollen. Auch in Bad Krozingen. Der Kurort bei Freiburg zählt zu den wärmsten Orten im Land und manche nennen ihn deswegen die Toskana Deutschlands. Deswegen sind wir aber heute nicht hier. Wir wollen uns gesundfrieren – aber richtig! Das soll uns die Kältekammer im Nouri Hotel ermöglichen. Direkt neben der Vita-Classica-Therme können in diesem Spa nicht nur Übernachtungsgäste in den Genuss einer Rundumerneuerung kommen, sondern jeder per Tagespass. Zugang zur Therme inklusive. Das Hotel verspricht Entspannung sowie „Transformation des Mindsets im Sinne der inneren und äußeren Schönheit“. Klar, dass wir in diesen Jungbrunnen hopsen!

Nouri: schlichter Luxus für Bad Krozingen

In Bad Krozingen angekommen, sticht das Nouri mit seiner schlichten Architektur aus dem Ortsbild hervor. Ein neuer Twist für den Kurort mit langer Vorgeschichte: Fast dreißig Jahre wurde in Bad Krozingen um ein Luxushotel am Kurpark gerungen, schließlich gelang es dank dem Einsatz von Werner Baumgartner, einem erfahrenen Hotelier: Die Familie betreibt bereits seit 1740 das Gasthaus Hirschen in Freiburg-Lehen. Seine Tochter Florina Feninger entwickelte das Design mit einer Mischung aus Minimalismus und Gemütlichkeit. Ein bewusst junger, frischer Ansatz für Bad Krozingen mit seiner mehr als 100 Jahre zurückreichenden Thermalquellentradition.

Das kommt an: Als das Nouri im Dezember 2023 eröffnete, schaffte es direkt den Sprung auf die Liste der 101 besten Hotels in Deutschland, Schweiz, Österreich und Südtirol. Der ehemalige DFB-Präsident Fritz Keller, Winzer und Freund der Familie Baumgartner, beschrieb das Interieur bei der Eröffnung als „geschmackvoll, unprotzig, wohlfühlend“. Im Innern empfängt uns eine behagliche Lounge mit skandinavischen und orientalischen Anklängen – und Kyra Oltmanns, Hotelmanagerin und Expertin für Lifestyle-Anwendungen. Nouri kommt vom arabischen „nour“, das Licht, Klarheit, aber auch Hoffnung und Weisheit bedeuten kann, erfahren wir von ihr. Dazu ist es ein beliebter männlicher Vorname im arabischen Raum, doch auch das französische nourir und das englische nourish sollen darin anklingen: also Nahrung für Körper und Geist.

Auf einem Loungetisch liegt ein Bildband über die Architektur der Moderne. Keine Schindeln und Kachelöfen weit und breit – typisch Schwarzwaldiges sucht man zwischen den goldenen Lampen und Mid-Century-Stühlen vergebens. Unser erster Eindruck: Hier trifft staatlich anerkanntes Heilbad auf Instagram. „Wir verbinden Lifestyle mit Wellness. Und alles hat bei uns eine persönliche Note“, erklärt Kyra Oltmanns über den Familienbetrieb. Herzstück ist der
1500 Quadratmeter große Spa-Bereich. Den schauen wir uns jetzt an! Während draußen hinter den bodentiefen Fenstern der graukalte Kurpark grüßt, stimmen die Räume in hellen, warmen Holztönen in die kommenden Wellnessstunden ein. Frisch umgezogen in weiße Bademäntel gehüllt, besprechen wir mit Kyra unser persönliches Programm: erst die Kältekammer, zwischendurch stärken wir uns mit gesunder Dreiländerküche und zum Schluss noch eine Massage!

Tanzen in der Kryokammer

Den gut ausgestatteten Fitnessraum des Nouri lassen wir heute mal links liegen. Auf dem Weg zur Wunderkammer der Longevity biegen wir eine Tür früher ein und stehen vor einer Glasscheibe: Dahinter verbirgt sich die Kryokammer, also eine der Eis-Saunen, auf die aktuell Stars und Sportler zur Regeneration schwören. Therapeutin Maria, die unsere Kryotherapie durchführen wird, stellt uns einige Fragen zu unserer Gesundheit und misst unseren Blutdruck. Dieser Check ist wichtig, denn in der Hauptkammer herrschen minus
110 Grad: nichts für Menschen mit schwachem Kreislauf.

Wofür das Schockfrosten gut sein soll? Zellerneuerung, meint die Deutsche Longevity Gesellschaft. Kältetherapie fördere die metabolische Gesundheit, stärke die Resilienz und habe einen „unmittelbaren subjektiven Nutzen“. Die regenerative Wirkung der Anwendungen: Muskeln würden schneller wieder fit, mehr Effizienz und Schmerzreduktion könnten erreicht werden. Auch die Stimmung soll die extreme Kälte heben, sogar psychische Leiden lindern, weil sie Endorphine ausschüttet. Kennt man alles auch vom Kneippen oder von einer kalten Dusche – hier eben in verstärkter Dosis. Den Zugang zur Kältekammer kann man im Nouri einzeln oder im Abo buchen: unbegrenzt frosten zu zweit ist für 990 Euro für drei Monate drin. Einmal Testen gibt’s für 40 Euro. Die Anwendung erfolgt allerdings immer begleitet und mit festem Ablauf.

Vital-Gerichte und Wohlfühl-Anwendungen

Kyra selbst geht etwa zweimal die Woche rein, meint sie fröhlich, während ich mich mit dicken Socken, Mütze und Handschuhen einpacke. Sie schlafe besser und fühle sich allgemein fitter durch die Kryo. Auf dem Display des Bedienterminals wandert der Zeiger indessen allmählich auf die gewünschte Gradzahl. Dann mal los. Als ich die Tür öffne, kommt mir ein Schwall Nebel entgegen. Minus 60 Grad hat die Vorkammer. Das ist echt kalt, aber gefühlt nicht viel extremer als im Kühlhaus oder kopfüber in einer großen Tiefkühltruhe. Bewegen soll ich mich trotzdem. Maria wirft Macarena an und tanzt mir die Moves des 90er-Jahre-KultKyra selbst geht etwa zweimal die Woche rein, meint sie fröhlich, während ich mich mit dicken Socken, Mütze und Handschuhen einpacke. Sie schlafe besser und fühle sich allgemein fitter durch die Kryo. Auf dem Display des Bedienterminals wandert der Zeiger indessen allmählich auf die gewünschte Gradzahl. Dann mal los. Als ich die Tür öffne, kommt mir ein Schwall Nebel entgegen. Minus 60 Grad hat die Vorkammer. Das ist echt kalt, aber gefühlt nicht viel extremer als im Kühlhaus oder kopfüber in einer großen Tiefkühltruhe. Bewegen soll ich mich trotzdem.

Maria wirft Macarena an und tanzt mir die Moves des 90er-Jahre-Kultsongs vor der Glastür vor. Bisher ist das Ganze sehr amüsant – dann muss ich in die Hauptkammer. Die eisige Luft brennt fast auf der Haut, an Armen und Beinen bildet sich Reif. Jetzt weiß ich, warum ich einen Mundschutz tragen muss. Was ich gleich merke: Die Kälte fegt den Kopf leer. Es gibt keine Termine mehr, keine Welt, nur Salsabeats und Eiskristalle. Als ich nach drei Minuten wieder raus darf, rieselt ein wenig Schnee von mir herab. Ich spüre eine ganze Weile nichts und bin ein bisschen wie in Trance, bis wieder Wärme in Armen und Beinen aufsteigt. Ist das jetzt ein Endorphinrausch oder pure Erleichterung? Da bin ich mir mit meiner Begleitung nicht einig, nachdem wir beide die Prozedur durchlaufen haben.

Ein Gefühl wie nach einem Saunagang mit anschließendem Kaltbad breitet sich aus, aber doch einen Tick anders: weniger träge, mehr Klarheit im Kopf. Kyra erzählt, die Kryo wirke unmittelbar sehr unterschiedlich. Viele spüren einen Energiekick, andere macht es eher müde. In jedem Fall macht es hungrig, denke ich. Auf Gesundheitsziele abgestimmte Gerichte mit sogenanntem Vitalcharakter finden sich auf der Karte der Day-Bar – vitamin- und nährstoffreich und keineswegs langweilig: dick belegte Panini, Hummus, eine leichte Creme aus roter Bete und Feta, Salate und überall eingelegte rote Zwiebeln als Garnitur – wohl die kleine Vorliebe der Küche.

Diese ist übrigens im ganzen Hotel bestimmt von den Einflüssen aus dem Dreiländereck, die mit internationalen Akzenten versehen werden. Sogar glutenfreie Optionen sind vorhanden. Täglich werden neue Saftkreationen und Mocktails zubereitet. Im Bademantel schlemmen – das gibt uns definitiv Luxus-Resort-Vibes. Und es schmeckt. Gesund kann durchaus lecker sein! So gestärkt, folgt Teil zwei unserer Anwendungen: die Inner-Peace-Massage, wieder bei Maria, die uns schon nach wenigen Minuten in eine andere Dimension manövriert. Mit pflegenden Ölen kreisen ihre geübten Handbewegungen über Rücken, Schultern, Arme und Nacken. Gezielt vertreibt sie die Verspannungen, drückt Reflexzonen, lässt auch Kopf und Gesicht nicht aus und am Ende liegt ein duftendes Kräutersäckchen auf den Augen. Wieder stellt sich diese wohlig-kühle Leere im Kopf ein.

Die Spa-Angebote im Nouri Hotel

Anschließend gönnen wir uns eine Teepause im Saunabereich und schauen, was es hier im Spa noch alles gibt. Die elegante Kräutersauna und das schmucke Dampfbad wecken unser Interesse – doch leider alles nicht mehr drin heute. Eine Temperaturdifferenz von bis zu 200 Grad an einem Tag wäre schon etwas heftig für den Körper. Dann war's das mit Longevity! Aber ein bisschen baden geht bestimmt. Das Thermalbad Vita Classica ist nur einen Gang über die Verbindungsbrücke weit entfernt. Später ziehen wir in der Rooftop-Bar des Nouri Tagesbilanz. Erlebnisreich und wohltuend war es in Bad Krozingen, das sollen wir noch Tage später spüren. Aber fühlen wir uns auch jünger? Um es mit den Worten von Butler James aus Dinner for One zu sagen: „Youuunger than ever, Miss Sophie!“

Kältekammer im Schwarzwald

Dass Kälte heilende Kräfte hat, wussten schon die alten Griechen – der Begriff Kryotherapie leitet sich von ihrem Wort für Frost oder Eis ab. Neben dem Nouri Hotel in Bad Krozingen bietet auch das Wellness- und Gesundheitszentrum Solemar in Bad Dürrheim Sessions in der Kältekammer an.

Das Nouri Hotel liegt mitten in Bad Krozingen (Herbert-Hellmann-Allee 14). Infos zu Zimmern und Day-Spa-Angeboten gibt es auf der Webseite.

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